Gourville im 10. Jahrhundert

Thibaud le Tricheur

Theobald der Betrüger

Das 10. Jahrhundert in der Gegend wurde von der Persönlichkeit von Theobald I. von Blois, genannt Theobald dem Betrüger, geprägt. Die Geschichte hat gezeigt, dass er seinen Namen zu Recht trug und als er 977 starb, seufzten viele erleichtert auf, unter ihnen der zukünftige französische König Hugo Capet. 

Er ist ursprünglich ein Vasall Hugos des  Groβen, des Grafen der Franken, des Vaters von Hugo Capet und leistet ihm einige Dienste, wie ein Jahr lang König Ludwig IV. gefangen zu halten. Er nutzt Hugos Tod und die Unmündigkeit  seines Sohnes Hugo Capet, macht sich von seinem Lehnsherrn selbständig und erklärt sich zum Grafen von Chartres „von Gottes Gnaden“ (960). Da er 945 Ledgard geheiratet hat, die die Grafschaft Provins sowie die Grafschaft Champagne mit in die Ehe gebracht hat, ist nun das Königsgebiet von den Besitztümern von Theobald dem Betrüger umkreist und er wird zu einer Gefahr für die Krone. Aber wie viele Eroberer weiβ er nicht, wann er aufhören muss: er greift die Normannen Richards I. in Evreux und Rouen an und diese führen einen Vergeltungszug gegen Chartres, das sie niederbrennen (962).

Theobald bemächtigt dann Grundstücke in der Stadt Chartres, die der Abtei Saint-Père en Vallée gehören und lässt dort eine mächtige Burg bauen. 

Nach seinem Tod 977 schenkte Gräfin Ledgard dieser Abtei mehrere Güter, die zur Grafschaft gehörten, wohl um die von ihrem Mann geraubten Gebiete wettzumachen und um sich das Wohlwollen des Himmels für ihre Seele und die ihres verstorbenen Mannes zu sichern (sie starb 982 und wurde in der Krypta der Kirche der Abtei Saint-Père beigesetzt). Die Schenkung des Gutes Gourville 981 (mehr als 500 Hektar nach Schätzung des Archivs der Abtei) entspricht dieser Logik: es ist keine bescheidene Schenkung, denn dieser Boden war - und ist - sehr fruchtbar (wir wissen heute, dass die Lehmdecke auf dem Plateau südlich von Gourville über einen Meter dick ist). Darüber hinaus war es politisch klug, dem Klerus einen Streifen Land an der Grenze zu den Parisiern und den Königsvasallen zu schenken, mit denen die Beziehungen oft sehr gespannt gewesen waren, denn es sorgte für eine gewisse Ruhe östlich von Chartres.